🐜 Blattläuse
Blattläuse im Überblick
Blattläuse sind kleine, saugende Insekten, von denen allein in Mitteleuropa mehrere hundert Arten leben. Im Garten fallen meist nur wenige davon auf: die Schwarze Bohnenlaus an Bohnen, Mangold, Spinat und Roter Bete, die grünliche bis rötliche Grüne Pfirsichblattlaus, die kaum wählerisch ist und an Paprika, Auberginen oder Salat saugt, die große Erbsenblattlaus und die Salatblattlaus, die an Johannisbeeren überwintert und im Sommer auf Salat umzieht. Alle stechen mit ihrem Rüssel in die Leitungsbahnen der Pflanze und zapfen den zuckerreichen Saft an.
Ein einzelner Befall bringt eine gesunde Pflanze selten um. Problematisch wird es, wenn Kolonien junge Triebe, Knospen und Blütenstände besetzen: Die Blätter kräuseln sich, der Wuchs stockt, und auf dem klebrigen Honigtau siedeln sich schwarze Rußtaupilze an, die dem Blatt Licht nehmen. Außerdem übertragen Blattläuse Viruskrankheiten von Pflanze zu Pflanze, etwa Mosaikviren an Gurkengewächsen, Salat oder Bohnen. Gegen ein Virus gibt es kein Mittel, begrenzen lassen sich nur die Überträger.
Die gute Nachricht: Kaum ein Schädling hat so viele natürliche Gegenspieler. In einem Garten mit Blühpflanzen, Hecken und ein paar wilden Ecken bricht eine Blattlauswelle im Frühsommer oft innerhalb weniger Wochen von selbst zusammen, sobald Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen nachgezogen sind. Laut den Steckbriefen auf GartenPortal sind unter anderem Tomaten, Paprika, Bohnen, Salat, Johannisbeeren und Sonnenblumen häufig betroffen.
Symptome
Kleine, meist grüne oder schwarze Insekten an Triebspitzen und Blattunterseiten, klebrige Ausscheidungen (Honigtau), eingerollte oder verkrüppelte junge Blätter.
- Kolonien an Triebspitzen und Blattunterseiten: Die Tiere sind meist 1 bis 4 Millimeter groß und je nach Art grün, schwarz, grau, rötlich oder gelblich; oft sitzen geflügelte und ungeflügelte Läuse nebeneinander.
- Weiße Häutungsreste: Blattläuse häuten sich mehrmals. Die hellen, leeren Hüllen auf Blättern und Erde fallen oft eher auf als die Tiere selbst.
- Klebriger Glanz: Honigtau tropft auf tiefer liegende Blätter, auf Gartenmöbel oder das Auto und glänzt im Gegenlicht. Später färben Rußtaupilze ihn schwarz.
- Ameisenstraßen am Stängel: Ameisen melken die Läuse und verteidigen sie gegen Fressfeinde. Wo Ameisen eilig an einer Pflanze auf- und ablaufen, lohnt der Blick in die Triebspitzen.
- Gekräuselte, eingerollte junge Blätter, typisch an Bohnen und Johannisbeeren. Rote bis gelbgrüne Blasen auf der Oberseite von Johannisbeerblättern verraten die Johannisbeerblasenlaus, die darunter saugt.
- Verkrüppelte Hülsen und Blüten: Bei starkem Befall bleiben die Hülsen von Erbsen und Bohnen klein oder verformt. Bei Salat sitzen die Läuse versteckt tief im Herz des Kopfes.
- Mumien in der Kolonie: Aufgeblähte, goldbraune oder graue Läuse mit kreisrundem Loch wurden von Schlupfwespen parasitiert – ein Zeichen, dass die natürliche Regulierung schon arbeitet.
Ursachen und Entwicklung
Viele Gartenblattläuse überwintern als Ei an Gehölzen, die Schwarze Bohnenlaus etwa am Pfaffenhütchen und am Gewöhnlichen Schneeball, die Salatblattlaus an Johannisbeeren. Aus den Eiern schlüpfen im Frühjahr nur Weibchen, die ohne Befruchtung lebende Junge zur Welt bringen. Diese sind nach rund ein bis zwei Wochen selbst fortpflanzungsfähig. Deshalb kann aus wenigen Läusen an einer Bohnenspitze innerhalb einer Woche eine dichte Kolonie werden.
Wird es in der Kolonie zu eng, entstehen geflügelte Tiere, die mit dem Wind neue Pflanzen ansteuern. Der Hauptzuflug fällt meist in den Mai und Juni. Warmes, trockenes und windarmes Wetter beschleunigt die Vermehrung, kräftige Gewitterregen spülen dagegen viele Läuse von den Blättern. Im Hochsommer flauen die Kolonien häufig ab, im Herbst kehren die Arten mit Wirtswechsel auf ihre Winterwirte zurück und legen dort Eier.
Ob sich Läuse festsetzen, hängt auch vom Zustand der Pflanze ab. Weiches, stickstoffreiches Gewebe nach einer kräftigen Düngergabe ist für sie besonders nahrhaft. Anfällig sind außerdem Pflanzen an heißen, windstillen Plätzen vor einer Hauswand und Jungpflanzen auf der Fensterbank, etwa vorgezogene Paprika oder Chili, weil dort keine Fressfeinde unterwegs sind. Zu viel Dünger ist ein häufiger, selbst gemachter Auslöser; mit dem Düngerrechner passt du die Menge an den tatsächlichen Bedarf an.
Maßnahmen
Mit scharfem Wasserstrahl abspritzen, Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegen fördern, bei starkem Befall Schmierseifenlösung einsetzen.
Vorbeugen
- Maßvoll düngen: Lieber mehrere kleine Gaben Kompost oder organischen Dünger als eine große Portion schnell löslichen Stickstoff. Weiches Mastgewebe lockt Läuse an.
- Nützlinge einladen: Doldenblütler wie Dill und Fenchel, dazu Ringelblumen, Kornblumen und Phacelia locken Schwebfliegen und Schlupfwespen an. Die Larven der Schwebfliegen fressen Läuse, die Schlupfwespen legen ihre Eier in sie hinein.
- Winterquartiere lassen: Laubhaufen, hohle Staudenstängel und ungemähte Ecken bieten Marienkäfern und anderen Helfern Unterschlupf. Wer im Herbst alles blank räumt, startet im Frühjahr ohne Verbündete.
- Ameisen fernhalten: Leimringe am Stamm von Obstgehölzen hindern Ameisen am Aufstieg zu den Kolonien. Ohne ihren Schutz räumen Marienkäfer und Co. schneller auf.
- Kontrollgang ab April: Einmal pro Woche die austreibenden Johannisbeeren, später Bohnen, Salat und frisch gesetzte Jungpflanzen ansehen. Ein Befall aus einer Handvoll Läusen ist mit dem Finger erledigt.
- Früh säen und abdecken: Dicke Bohnen, die zeitig im Frühjahr gesät werden, sind kräftig, bevor die Schwarze Bohnenlaus zufliegt. Salat lässt sich mit einem sehr feinmaschigen Kulturschutznetz vor zufliegenden Läusen schützen.
- Vielfalt statt Monokultur: Ob Duftkräuter Läuse zuverlässig vertreiben, ist umstritten. Ein gemischtes Beet, wie es der Mischkultur-Finder vorschlägt, erschwert ihnen aber die Suche nach der Wirtspflanze und bietet Nützlingen mehr Nahrung.
Bekämpfung Schritt für Schritt
- Beobachten statt sofort handeln: Sitzen Marienkäferlarven, Schwebfliegenlarven oder Mumien in der Kolonie, zwei bis drei Tage abwarten und dann erneut nachsehen. Oft ist das Problem dann schon kleiner geworden.
- Abstreifen und ausbrechen: Einzelne Kolonien mit den Fingern abstreifen oder zerdrücken. Bei Dicken Bohnen die dicht besetzten Triebspitzen ausbrechen, sobald unten die ersten Hülsen ansetzen – sie werden dann nicht mehr gebraucht.
- Abspritzen: Die Läuse mit einem kräftigen, aber nicht zerstörerischen Wasserstrahl von Trieben und Blattunterseiten spülen, am besten vormittags, damit das Laub bis zum Abend trocknet. Bei Tomaten und Gurken sparsam damit umgehen, weil nasses Laub Pilzkrankheiten wie die Braunfäule fördert.
- Befallene Teile entfernen: Stark verkrüppelte Triebspitzen und eingerollte Blätter abschneiden und im Hausmüll entsorgen, damit die Läuse nicht zurückwandern.
- Nützlinge gezielt ausbringen: Im Gewächshaus oder Wintergarten lassen sich Florfliegenlarven, räuberische Gallmücken oder Schlupfwespen über den Fachhandel beziehen. Sie wirken am besten früh im Befall und bei den Temperaturen, die der Anbieter angibt.
- Seifenlösung bei starkem Befall: Eine Lösung auf Basis von Kaliseife, also Schmierseife, wirkt nur bei direktem Kontakt und muss die Läuse gründlich benetzen. Am sichersten ist ein Präparat, das als Pflanzenschutzmittel für den Haus- und Kleingarten zugelassen ist; Zulassung und Anwendungshinweise auf der Packung beachten. Selbst angerührte Lösungen aus Haushaltsseife mit Duft- und Zusatzstoffen können empfindliches Laub schädigen. Nicht in praller Sonne spritzen und vorher an einem Blatt testen.
- Nachkontrolle: Nach drei bis vier Tagen nachsehen. Überlebende Läuse vermehren sich schnell weiter, eine zweite Behandlung der verbliebenen Kolonien ist deshalb oft nötig.
Verwechslungsgefahr
Klebrige Blätter bedeuten nicht zwangsläufig Blattläuse. Auch Schildläuse und Wollläuse scheiden Honigtau aus. Sie sitzen jedoch fest an Stängeln und Blattadern, sind von einem braunen Schild oder weißer Wachswolle bedeckt und bewegen sich kaum – typisch an Zimmerpflanzen wie dem Ficus. Steigt beim Berühren einer Tomate im Gewächshaus eine Wolke winziger weißer Insekten auf, ist die Weiße Fliege am Werk. Feinste helle Sprenkel ohne sichtbare Tiere, dazu zarte Gespinste, sprechen dagegen für Spinnmilben.
Eingerollte Blätter haben auch nicht immer tierische Ursachen. Tomaten rollen ihre älteren Blätter bei Hitze, nach starkem Ausgeizen oder bei Wassermangel oft löffelartig ein, ohne dass eine einzige Laus zu finden ist. An Pfirsichen verursacht die Kräuselkrankheit, ein Pilz, im Frühjahr blasig verformte, rötliche Blätter. Entscheidend ist der Blick auf die Blattunterseite: Ohne Tiere, Häutungsreste oder Honigtau sind Läuse als Täter unwahrscheinlich. Bei unklaren Schadbildern hilft der Schädlingsfinder beim Eingrenzen.
Häufige Fragen zu Blattläuse
Sind Blattläuse auf Salat und Kräutern bedenklich?
Für Menschen sind die Läuse nicht giftig, aber unappetitlich. Blätter in einer Schüssel mit kaltem Wasser kurz einweichen und anschließend gründlich abspülen, das löst die meisten Tiere. Kopfsalat am besten Blatt für Blatt zerlegen, weil die Salatblattlaus gern tief im Herz sitzt.
Helfen Brennnesseljauche oder Knoblauchsud gegen Blattläuse?
Beide gelten als traditionelle Hausmittel, ihre Wirkung ist aber schwach und schwankt stark. Gegen Läuse wird meist ein frischer, kalt angesetzter Brennnesselauszug empfohlen; die vergorene Jauche ist vor allem ein stickstoffreicher Dünger und kann bei zu reichlicher Gabe weiches, lausanfälliges Wachstum sogar fördern. Verlässlicher sind Abspritzen, Abstreifen und ein Garten, in dem sich Nützlinge wohlfühlen.
Warum sitzen jedes Frühjahr Läuse an meinen Johannisbeeren?
Für mehrere Blattlausarten sind Johannisbeeren der Winterwirt, an dem sie ihre Eier ablegen. Im Frühjahr schlüpfen dort die ersten Läuse, bevor ein Teil auf Sommerwirte wie Salat abwandert. Ein Auslichtungsschnitt im Winter entfernt mit den alten Trieben auch einen Teil der Eier, und der Kontrollblick beim Austrieb hält den Befall klein.
Bringen gekaufte Marienkäfer im Freiland etwas?
Erwachsene Käfer fliegen im offenen Garten häufig einfach davon. Larven bleiben eher am Ort, wirken aber ebenfalls am besten in geschlossenen Räumen wie Gewächshaus oder Wintergarten. Im Freiland ist es meist sinnvoller, heimische Nützlinge mit Blühpflanzen und Winterquartieren anzulocken.
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