Vorbeugen & erkennen

🍂 Braunfäule

Krankheit

Braunfäule im Überblick

Die Braunfäule ist die gefürchtetste Krankheit im Tomatenbeet. Ausgelöst wird sie von Phytophthora infestans, demselben Erreger, der an Kartoffeln die Krautfäule verursacht. Fachleute sprechen bei der Tomate von der Kraut- und Braunfäule, bei der Kartoffel von der Kraut- und Knollenfäule. Es ist also eine einzige Krankheit mit zwei Namen: Bei Tomaten fallen vor allem die braun werdenden Früchte und Stängel ins Auge, bei Kartoffeln das absterbende Laub und die faulenden Knollen. Diese Seite legt den Schwerpunkt auf die Tomate.

Der Erreger wird oft als Pilz bezeichnet, gehört aber zu den Eipilzen (Oomyceten), die näher mit bestimmten Algen verwandt sind als mit echten Pilzen. Für die Praxis zählt vor allem sein Verhalten: Er braucht Wasser auf dem Blatt, um einzudringen, und vermehrt sich bei passendem Wetter explosionsartig über Sporen, die Wind und Regenspritzer weitertragen. Zwischen den ersten Flecken und einer vollständig braunen Pflanze können wenige Tage liegen.

Betroffen ist vor allem die Tomate, die im Freiland ohne Dach häufig ab Juli oder August erkrankt. Im Gewächshaus oder unter einem Tomatendach bleibt sie oft bis in den Herbst gesund – nicht weil dort keine Sporen ankommen, sondern weil die Blätter trocken bleiben. Auf diesem einen Prinzip baut die ganze Vorbeugung auf.

Symptome

Braune, sich ausbreitende Flecken auf Blättern und Stängeln, bei Tomaten und Kartoffeln oft nach feuchtwarmer Witterung, Früchte faulen von außen.

  • Blätter: zunächst graugrüne, dann braun bis schwarz werdende Flecken ohne Ringmuster, die sich oft vom Blattrand oder von der Blattspitze aus ausbreiten. Bei feuchter Luft zeigt sich an der Unterseite ein feiner, weißlicher Saum am Rand der Flecken.
  • Stängel und Blattstiele: längliche, dunkelbraune bis schwarze Abschnitte, an denen Triebe einknicken können. Oberhalb solcher Stellen welkt die Pflanze, obwohl der Boden feucht ist.
  • Grüne Früchte: graugrüne bis braune, unscharf begrenzte, marmoriert wirkende Flecken, häufig zuerst an der oberen Fruchthälfte rund um den Stielansatz.
  • Konsistenz der Frucht: Befallene Stellen bleiben zunächst hart und fest und färben sich beim Reifen nicht mehr rot. Erst später siedeln sich andere Fäulniserreger an, und die Frucht wird weich.
  • Tempo: Bei feuchtem Wetter vergehen oft nur wenige Tage von den ersten Flecken bis zu großflächig abgestorbenem Laub. Diese Geschwindigkeit unterscheidet die Braunfäule von den meisten anderen Blattkrankheiten der Tomate.
  • Muster im Beet: Häufig erkranken zuerst Pflanzen, die ungeschützt im Regen stehen oder deren Laub morgens lange feucht bleibt, während Pflanzen unter einem Dachüberstand länger grün bleiben.

Ursachen und Entwicklung

Phytophthora infestans braucht für eine Infektion freies Wasser auf dem Blatt, je nach Temperatur mehrere Stunden lang. Als besonders günstig gelten milde Temperaturen von etwa 15 bis 20 °C, lange Tauperioden und Regentage. Eine typische Braunfäule-Wetterlage im Hochsommer sieht so aus: ein warmer Tag, abends ein Gewitter oder Landregen, danach eine milde, windstille Nacht, in der das Laub bis zum Morgen nicht abtrocknet. Bei kühleren Temperaturen setzen die Sporenbehälter bewegliche Schwärmsporen frei, die im Wassertropfen schwimmen – ein weiterer Grund, warum nasse Blätter das Kernproblem sind.

Die Sporen kommen fast immer von außen. Der Erreger überdauert vor allem in befallenen Kartoffelknollen, die im Boden vergessen wurden, auf Abfallhaufen keimen oder als Pflanzgut ausgelegt werden. Von den ersten kranken Kartoffeln aus fliegen Sporen mit dem Wind weiter, auch über mehrere Gärten hinweg. Da in Europa inzwischen beide Paarungstypen des Erregers vorkommen, können sich zusätzlich langlebige Dauersporen im Boden bilden. Tomaten direkt neben Kartoffeln zu setzen, ist deshalb ungünstig, und genau davon raten auch die Mischkultur-Angaben im Tomaten-Steckbrief ab.

Ein Teil des Risikos ist hausgemacht: Gießen über die Blätter, zu enge Pflanzung, dichte, nicht ausgegeizte Pflanzen und bodennahe Blätter, auf die beim Gießen oder Regen Erde spritzt. Im Gewächshaus ist das Kondenswasser der Schwachpunkt. Kühlt die Luft nachts stark ab und bleibt das Haus geschlossen, schlägt sich Feuchtigkeit auf den Blättern nieder, und der Erreger findet auch unter Glas seine nassen Stunden.

Maßnahmen

Pflanzen möglichst regengeschützt kultivieren, befallene Pflanzenteile sofort entfernen und nicht kompostieren, ausreichend Pflanzabstand für gute Durchlüftung einhalten.

Vorbeugen

  • Dach über die Tomaten: Ein Gewächshaus, ein Tomatenhaus oder ein einfaches Dach aus Folie oder Stegplatten an einer Hauswand hält Regen vom Laub fern. Die Seiten bleiben offen, damit die Luft zirkuliert.
  • Nur am Boden gießen, möglichst morgens: Das Wasser direkt in den Wurzelbereich geben, nie mit der Brause über die Pflanzen. Ein Tomatenbeet von 2 m² braucht als Richtwert etwa 30 Liter pro Woche, aufgeteilt auf zwei bis drei durchdringende Gaben; der Bewässerungsrechner passt die Menge an deine Fläche an.
  • Abstand einhalten: Mit 80 cm Reihen- und 50 cm Pflanzabstand trocknet das Laub nach einem Schauer deutlich schneller ab als in einer gedrängten Reihe. Auf ein Beet von 1,2 × 3 m passen so zwei Reihen mit je sechs Pflanzen.
  • Untere Blätter entfernen und mulchen: Sobald die Pflanzen kräftig wachsen, die Blätter bis etwa 30 cm über dem Boden abschneiden. Eine Mulchschicht aus Stroh verhindert zusätzlich, dass Erde mit möglichen Sporen auf das Laub spritzt.
  • Abstand zu Kartoffeln: Tomaten möglichst weit entfernt von Kartoffeln anbauen und Durchwuchskartoffeln im Tomatenbeet sofort entfernen. Mit dem Fruchtfolge-Planer trennst du beide auch zeitlich: Tomaten nicht direkt nach Kartoffeln und frühestens nach drei bis vier Jahren wieder auf dieselbe Fläche.
  • Widerstandsfähige Sorten: Für den Anbau ohne Dach Sorten wählen, die im Saatgutangebot als tolerant gegenüber Kraut- und Braunfäule beschrieben sind. Immun ist keine Sorte, aber der Befall setzt oft später ein und schreitet langsamer voran.
  • Gewächshaus morgens lüften: Türen und Fenster früh öffnen, damit der nächtliche Tau schnell von den Blättern verschwindet.

Bekämpfung Schritt für Schritt

  1. Täglich kontrollieren, sobald feuchtwarmes Wetter herrscht, besonders nach Gewittern im Juli und August. Ein früh entdeckter Fleck lässt sich noch wegschneiden, eine Woche später ist es oft zu spät.
  2. Befallene Blätter sofort entfernen: Mit einer sauberen Schere abschneiden, direkt in eine Tüte geben und im Hausmüll entsorgen, nicht auf den Kompost. Danach Hände und Schere waschen, bevor du die nächste Pflanze anfasst.
  3. Pflanze luftiger machen: Geiztriebe ausbrechen, die untere Blattzone weiter hochnehmen und bei einem Freilandbeet kurzfristig eine Folie als Regenschutz darüber spannen, ohne die Pflanzen einzuschließen.
  4. Gesunde Früchte sichern: Ist der Befall nicht mehr aufzuhalten, alle äußerlich gesunden Früchte ernten, auch grüne. Sie reifen in einem warmen Raum nach. Täglich durchsehen und aussortieren, was braune Stellen bekommt, denn manche Früchte sind bereits unsichtbar infiziert.
  5. Kranke Pflanzen ganz entfernen: Werden Stängel schwarz, die Pflanze komplett herausnehmen und entsorgen. Benachbarte Tomaten haben dann bessere Chancen.
  6. Vorbeugende Mittel nur mit Bedacht: Für den Haus- und Kleingarten sind nur wenige Pflanzenschutzmittel gegen Kraut- und Braunfäule an Tomaten zugelassen, und sie wirken ausschließlich vorbeugend auf noch gesundes Laub, nicht heilend. Bei kupferhaltigen Mitteln kommt hinzu, dass sich Kupfer im Boden anreichert. Wer ein Mittel einsetzt, beachtet Zulassung, Wartezeit und Anwendungshinweise auf der Packung.
  7. Nach der Saison aufräumen: Alle Pflanzenreste entfernen, Spiralstäbe und Schnüre reinigen oder erneuern und die Tomaten im nächsten Jahr an einen anderen Platz setzen.

Verwechslungsgefahr

Die Dürrfleckenkrankheit (Alternaria) beginnt an den unteren, älteren Blättern mit kleinen, trockenen braunen Flecken, die konzentrische Ringe wie eine Zielscheibe zeigen und oft von einem gelben Hof umgeben sind. Sie breitet sich langsamer aus und tritt auch bei eher trockenem Wetter auf. Die Samtfleckenkrankheit betrifft vor allem Gewächshaustomaten und bildet unter gelblichen Blattflecken einen olivbraunen, samtigen Rasen. Bei der Braunfäule fehlen Ringe und Samtbelag, dafür wachsen die Flecken schnell und wässrig und greifen auf Stängel und Früchte über.

Die Blütenendfäule ist keine Infektion, sondern eine Folge gestörter Calciumversorgung durch ungleichmäßiges Gießen: Ein dunkler, eingesunkener, meist ledrig-trockener Fleck sitzt genau am unteren Fruchtende gegenüber dem Stiel. Braunfäule-Flecken liegen dagegen eher an der Fruchtschulter, sind unregelmäßig marmoriert und gehen meist mit befallenem Laub einher. Harte grüne oder gelbe Ringe um den Stielansatz reifer Früchte, der sogenannte Grünkragen, entstehen durch Hitze und starke Sonne und sind ebenfalls keine Krankheit.

Häufige Fragen zu Braunfäule

Ist Braunfäule dasselbe wie Krautfäule?

Ja, beide gehen auf denselben Erreger zurück. Bei Kartoffeln spricht man meist von Kraut- und Knollenfäule, weil Laub und Knollen befallen werden, bei Tomaten von Kraut- und Braunfäule, weil die Früchte braun faulen. Was die Krankheit an Kartoffeln, Knollen und im Lager anrichtet, beschreibt die Seite zur Krautfäule.

Kann ich Tomaten von befallenen Pflanzen noch essen?

Früchte mit braunen, harten Stellen solltest du nicht verwenden, sie sind geschmacklich unbrauchbar und verderben rasch. Äußerlich makellose Früchte derselben Pflanze kannst du ernten und nachreifen lassen. Kontrolliere sie dabei täglich und sortiere alles aus, was nachträglich Flecken bekommt.

Muss ich nach einem Befall die Erde austauschen?

Im Gartenbeet meist nicht, weil der Erreger überwiegend jedes Jahr neu mit Sporen von außen kommt. Da Dauersporen im Boden möglich sind, ist ein Platzwechsel im Rahmen der Fruchtfolge trotzdem sinnvoll. Für Kübel und Pflanzsäcke ist frische Erde in jeder Saison ohnehin üblich.

Schützt ein Gewächshaus sicher vor Braunfäule?

Es senkt das Risiko deutlich, schützt aber nicht vollständig. Sporen gelangen auch durch Fenster und Türen hinein, und wenn sich nachts Kondenswasser auf den Blättern niederschlägt, kann es zur Infektion kommen. Morgens lüften, am Boden gießen und genügend Abstand zwischen den Pflanzen lassen, gilt deshalb auch unter Glas.

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