📦 Saatgut selbst gewinnen und lagern: Sorten, Ernte, Trocknung und Keimprobe
Wer eigenes Saatgut gewinnt, schließt den Kreislauf im Gemüsegarten: Aus der schönsten Tomate dieses Sommers wachsen die Pflanzen des nächsten Jahres. Das spart Geld, erhält Sorten, die es im Handel kaum noch gibt, und passt sie mit jeder Generation ein Stück besser an deinen Garten an. Damit der Nachbau gelingt, kommt es auf drei Dinge an: die richtige Sorte, eine Ernte zur Samenreife und eine trockene, kühle Lagerung.
Nicht jede Art ist gleich einfach. Tomaten, Bohnen, Erbsen und Salat bestäuben sich überwiegend selbst, ihr Saatgut bleibt auch im kleinen Garten meist sortenecht. Kürbisgewächse, Kohl, Möhren oder Rote Bete werden dagegen von Insekten oder vom Wind bestäubt und kreuzen sich mit Nachbarpflanzen derselben Art, manche blühen sogar erst im zweiten Jahr. Dieser Ratgeber zeigt, mit welchen Arten du anfängst, wie du Kreuzungen vermeidest, wie du nasse und trockene Samen aufbereitest und woran du erkennst, ob altes Saatgut noch keimt.
Wie lange deine Vorräte voraussichtlich halten, rechnet der Saatgut-Lagerplaner aus dem Erntejahr aus. Die Keimdauer für die Keimprobe zeigt der Keimdauer-Rechner. Die Zahlen in diesem Artikel sind Richtwerte für Hobbygärtner, keine Vorgaben für die gewerbliche Saatgutvermehrung.
Samenfest oder F1: welche Sorten sich zum Nachbau eignen
Grundvoraussetzung ist eine samenfeste Sorte. Sie gibt ihre Eigenschaften zuverlässig an die Nachkommen weiter, solange sie nicht mit einer anderen Sorte derselben Art gekreuzt wird. F1-Hybriden entstehen dagegen aus der gezielten Kreuzung zweier Elternlinien. Die Pflanzen der ersten Generation sind sehr einheitlich und oft wüchsig, ihre Samen keimen auch, doch die Nachkommen spalten auf: Wuchs, Fruchtform, Geschmack und Reifezeit schwanken bunt zwischen den Eigenschaften der Großeltern. Ob eine Sorte samenfest ist, steht auf der Samentüte; fehlt der Zusatz F1, ist sie in aller Regel samenfest.
Früchte aus dem Supermarkt sind als Saatgutquelle unsicher, weil du weder die Sorte noch ihre Herkunft kennst und viele Handelssorten Hybriden sind. Besser startest du mit einer gekauften samenfesten Sorte oder mit Saatgut aus dem Bekanntenkreis, dessen Herkunft du kennst. Kartoffeln und Knoblauch vermehrst du übrigens nicht über Samen, sondern über Knollen und Zehen; wie das geht, steht im Ratgeber Kartoffeln pflanzen.
Für den Einstieg eignen sich einjährige Selbstbefruchter mit großen, leicht zu handhabenden Samen:
- Bohnen und Erbsen: Hülsen am Strauch trocknen lassen, auspalen, fertig. Einfacher geht es nicht.
- Tomaten: Samen aus einer reifen Frucht, kurz fermentiert und getrocknet. Ein bis zwei Früchte liefern mehr Samen, als du im nächsten Jahr brauchst.
- Salat: Eine gesunde, spät schießende Pflanze blühen lassen und die Samen aus den Federchen schütteln.
- Paprika und Chili: Samen aus voll ausgefärbten Früchten, sofern nur eine Sorte blüht oder einzelne Blüten geschützt werden.
- Sonnenblumen, Ringelblumen und viele Sommerblumen: Samenstände ausreifen lassen und vor Vögeln schützen.
Selbst- oder Fremdbefruchter: wer kreuzt mit wem?
Ob dein Saatgut sortenrein bleibt, hängt von der Bestäubung ab. Selbstbefruchter wie Tomate, Gartenbohne, Erbse und Salat bestäuben sich meist schon in der geschlossenen Blüte. Gelegentliche Kreuzungen durch Insekten kommen vor, bleiben aber selten. Fremdbefruchter brauchen den Pollen anderer Pflanzen: Kürbisgewächse, Kohl, Möhren, Zwiebeln, Lauch und Radieschen werden von Insekten bestäubt, Rote Bete, Mangold, Spinat und Mais vom Wind. Bei ihnen genügt eine blühende Sorte derselben Art in einem Nachbargarten, um die Nachkommen zu verändern.
Entscheidend ist die botanische Art, nicht der Name im Laden. Zucchini, Gartenkürbis, Spaghettikürbis, Ölkürbis und viele Zierkürbisse gehören alle zur selben Art und kreuzen sich untereinander. Moschus- und Riesenkürbisse sind eigene Arten und kreuzen sich mit ihnen in der Regel nicht. Rote Bete und Mangold sind ebenfalls eine Art, genau wie Radieschen und Rettich oder Weißkohl, Wirsing, Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Grünkohl und Kohlrabi. Möhren kreuzen sich zudem mit der Wilden Möhre, die an vielen Wegrändern blüht.
Die Tabelle nennt Abstände, die Saatgutinitiativen für sortenreines Saatgut empfehlen, und die Zahl der Pflanzen, die du mindestens zur Samengewinnung blühen lassen solltest, damit eine Sorte über Jahre vital bleibt. Für die reine Keimfähigkeit genügt bei Selbstbefruchtern schon eine Pflanze.
| Art oder Gruppe | Bestäubung | Abstand zu anderen Sorten | Mutterpflanzen für den Sortenerhalt |
|---|---|---|---|
| Tomate | Selbstbefruchter | 3–15 m | 5–10 |
| Gartenbohne, Erbse, Salat | Selbstbefruchter | 3–6 m | 5–10 |
| Paprika, Chili | überwiegend selbst, Insekten kreuzen häufig ein | 90 m und mehr, besser Netzbeutel | 5–20 |
| Zucchini, Kürbis, Gurke, Melone | Insekten | 250–800 m | 5–10 |
| Möhre, Petersilie, Dill, Pastinake | Insekten | 250–800 m | 20–50 |
| Kohlarten, Radieschen, Rettich | Insekten | 250–800 m | 20–50 |
| Zwiebel, Lauch | Insekten | 250–800 m | 20–50 |
| Rote Bete, Mangold, Spinat | Wind | 250 m bis über 1 km | 20–50 |
| Mais | Wind | 250–800 m | 50 und mehr |
Die Abstände bei Fremdbefruchtern sind im Siedlungsgebiet kaum einzuhalten. Für den Hausgarten ist es meist einfacher, in einem Jahr nur eine Sorte pro Art blühen zu lassen oder einzelne Blüten gezielt zu schützen, wie im nächsten Abschnitt beschrieben.
Kreuzungen verhindern und Mutterpflanzen auswählen
Wenn Abstand nicht möglich ist, helfen drei Methoden. Zeitliche Trennung: Du lässt pro Jahr nur eine Sorte einer Art blühen und vermehrst die nächste im Folgejahr; bei Mais und Sonnenblumen funktioniert auch ein um einige Wochen versetzter Blühtermin. Einhüllen: Bei Paprika, Chili und Auberginen ziehst du vor dem Aufblühen einen Beutel aus feinem Netzstoff oder Vlies über einen Blütenstand. Die Blüten bestäuben sich darin selbst, die Früchte markierst du mit einem Faden. Handbestäubung: Bei Kürbisgewächsen überträgst du den Pollen selbst und verschließt die Blüte.
Genauso wichtig wie die Sortenreinheit ist die Auswahl der Mutterpflanzen. Nimm die kräftigsten, gesunden Pflanzen, die dem Sortenbild entsprechen, und scheide kranke, schwache oder abweichende Exemplare aus, denn manche Krankheiten werden mit dem Samen übertragen. Bei Salat, Spinat und Radieschen wählst du die Pflanzen, die zuletzt schießen, nicht die ersten; sonst ziehst du dir Sorten heran, die immer früher in die Blüte gehen. Markiere die ausgewählten Pflanzen früh in der Saison mit einem Stab oder Band, damit sie nicht versehentlich abgeerntet werden, und mische die Samen mehrerer Mutterpflanzen. Gerade Fremdbefruchter verlieren sonst über die Generationen an Wuchskraft.
Die Handbestäubung bei Zucchini und Kürbis gelingt mit etwas Übung zuverlässig. Weibliche Blüten erkennst du am kleinen Fruchtansatz unter der Blüte, männliche sitzen auf einem dünnen Stiel.
- Am Abend weibliche und männliche Blüten derselben Sorte suchen, die sich am nächsten Morgen öffnen werden. Sie sind gelb gefärbt und an der Spitze schon leicht gelockert.
- Die Blütenspitzen mit Klebeband oder einer weichen Klammer verschließen, damit keine Hummel hineinkommt.
- Am nächsten Vormittag die männliche Blüte abpflücken, die Blütenblätter entfernen und den Staubbeutel sanft über die Narbe der vorsichtig geöffneten weiblichen Blüte streichen. Pollen von zwei bis drei männlichen Blüten verbessert den Fruchtansatz.
- Die weibliche Blüte sofort wieder verschließen und den Stiel mit einem Faden oder Etikett markieren.
- Nur aus markierten Früchten Samen gewinnen. Alle anderen Früchte erntest du ganz normal zum Essen.
Bei Zucchini und Kürbis ist Sorgfalt besonders wichtig. Kreuzen sie sich mit Zierkürbissen, können die Nachkommen bittere Cucurbitacine bilden, die in größeren Mengen giftig sind. Bittere Früchte gehören nie in den Kochtopf, mehr dazu im Steckbrief Zucchini.
Zweijährige Arten: Saatgut erst im zweiten Jahr
Möhren, Rote Bete, Mangold, Kohl, Zwiebeln, Lauch, Sellerie, Petersilie und Pastinaken bilden im ersten Jahr Wurzel, Knolle, Kopf oder Blattrosette und blühen erst nach einem Winter. Für den Nachbau müssen die Mutterpflanzen also überwintern und im zweiten Jahr einen Sommer lang Platz im Beet bekommen. Das macht die Samengewinnung aufwendiger, ist aber gut machbar.
Winterharte Arten wie Lauch, Pastinaken, Petersilie und Grünkohl bleiben einfach im Beet stehen. Empfindlichere Arten holst du im Herbst ins Lager: Bei Möhren und Roter Bete suchst du beim Ernten im Oktober gut geformte, gesunde Wurzeln aus, drehst das Laub bis auf einen kurzen Schopf ab und lagerst sie in feuchtem Sand bei 0 bis 5 °C. Im März oder April setzt du sie wieder ins Beet. Bei Zwiebeln pflanzt du im Frühjahr einige feste Speisezwiebeln aus dem Lager.
Im zweiten Jahr werden die Samenträger hoch, eine blühende Möhre erreicht leicht einen Meter und mehr. Plane einen Platz am Beetrand ein, wo die Pflanzen bis zur Samenreife im Spätsommer stehen bleiben können, und stütze sie mit einem Stab. Wegen der Kreuzungsgefahr und der nötigen Pflanzenzahl lohnt sich der Nachbau bei Zweijährigen vor allem dann, wenn du eine Sorte erhalten willst, die es nicht zu kaufen gibt.
Trockene Samen: Reife erkennen, ernten und dreschen
Samenreife ist nicht Essreife. Bohnen, Erbsen, Gurken, Zucchini oder Möhren erntest du zum Essen lange bevor die Samen fertig sind. Für Saatgut bleiben einige Früchte oder Samenstände an der Pflanze, bis sie vollständig ausgereift sind. Bei Arten mit trockenen Samen in Hülsen, Schoten oder Dolden gelten diese Reifezeichen:
- Bohnen und Erbsen: Die Hülsen sind braun, trocken und rascheln, die Körner lassen sich mit dem Fingernagel kaum noch eindrücken. Das dauert rund vier Wochen länger als die Ernte zum Essen.
- Salat: Etwa zwei bis drei Wochen nach der Blüte zeigen die Köpfchen weiße Federchen wie beim Löwenzahn. Du schüttelst die Samenstände alle paar Tage über einer Tüte aus, weil sie nacheinander reifen.
- Radieschen, Rettich und Kohl: Die Schoten sind überwiegend braun und trocken; noch grüne Schoten reifen an der abgeschnittenen Pflanze nach.
- Möhre, Dill, Koriander und Petersilie: Die Dolden werden braun und trocken, die Samen graubraun. Schneide die Dolden nacheinander ab, bevor sie ausfallen.
- Zwiebel und Lauch: Sobald sich die ersten Kapseln öffnen und schwarze Samen zeigen, schneidest du die Blütenkugel mit etwas Stiel ab.
- Rote Bete, Mangold und Spinat: Die Samenknäuel sind überwiegend braun; dann ziehst du die Stängel ab oder schneidest sie ab.
- Sonnenblumen: Die Rückseite des Korbs wird braun, die Kerne sitzen fest und prall. Ein übergestülpter Vliesbeutel hält Vögel fern.
- Bei trockenem Wetter ernten, am besten am späten Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Droht im Herbst Dauerregen oder Frost, ziehst du ganze Bohnen- und Erbsenpflanzen heraus und hängst sie unter Dach zum Nachreifen auf.
- Samenstände kopfüber in Papiertüten stecken oder auf einem Tuch ausbreiten und an einem luftigen, schattigen Ort ein bis zwei Wochen nachtrocknen lassen. Die Tüten beschriftest du gleich mit Sorte und Datum.
- Dreschen: Hülsen aufbrechen, Dolden und Köpfe zwischen den Handflächen reiben oder in einem Stoffsack ausklopfen. Bei stacheligen Samenständen trägst du Handschuhe.
- Reinigen: Grobe Teile abnehmen, dann durch ein Küchensieb sieben. Leichte Spreu pustest du vorsichtig weg oder lässt die Samen vor einem schwach laufenden Ventilator von einer Schale in eine andere rieseln.
- Die gereinigten Samen nochmals einige Tage offen in einer flachen Schale nachtrocknen, bevor sie verpackt werden.
Bohnen und Erbsen können Larven von Samenkäfern enthalten, die im Lager schlüpfen und die Körner aushöhlen. Gut durchgetrocknete Körner legst du deshalb in einem dichten Gefäß für einige Tage in den Gefrierschrank, das tötet Eier und Larven ab. Danach lässt du das Gefäß geschlossen auf Raumtemperatur kommen, bevor du es öffnest.
Nasse Samen: Tomaten fermentieren, Gurken, Kürbis und Paprika
Samen aus fleischigen Früchten müssen vom Fruchtfleisch getrennt werden. Tomatensamen stecken in einer gallertartigen Hülle, die keimhemmende Stoffe enthält und die Samen verklebt. Eine kurze Gärung löst sie, außerdem setzen sich die guten, schweren Samen am Boden ab, während taube Samen aufschwimmen. Wer nur wenige Samen braucht, kann die Gallerte auch unter fließendem Wasser in einem feinen Sieb abreiben; das Gären liefert aber sauberere Samen, die beim Trocknen nicht zusammenkleben.
Andere Fruchtgemüse brauchen keine oder nur eine kurze Gärung, dafür aber Geduld bis zur Samenreife. Die Tabelle unter der Anleitung fasst zusammen, woran du die Reife erkennst und wie du die Samen aufbereitest.
- Eine vollreife, gesunde Tomate quer halbieren und Samen samt Gallerte mit einem Löffel in ein Glas geben. Etwas Wasser zugeben, bis alles knapp bedeckt ist, und das Glas mit Sorte und Datum beschriften.
- Das Glas abgedeckt, aber nicht luftdicht bei Zimmertemperatur und ohne direkte Sonne stehen lassen. Einmal täglich umrühren.
- Nach ein bis drei Tagen, bei kühler Wohnung bis zu fünf Tagen, bildet sich ein weißlicher Schimmelfilm auf der Oberfläche, und die Samen lösen sich von der Gallerte. Länger solltest du nicht warten, sonst beginnen die Samen zu keimen.
- Glas mit Wasser auffüllen, umrühren und kurz warten. Schwimmende Samen und Fruchtreste abgießen, die abgesunkenen Samen behalten. Den Vorgang wiederholen, bis das Wasser klar bleibt.
- Die Samen in einem feinen Sieb abspülen, abtropfen lassen und dünn auf einem Kaffeefilter oder einem glatten Teller ausbreiten. Küchenpapier eignet sich weniger, weil die Samen daran festkleben.
| Frucht | Samenreif, wenn … | Aufbereitung |
|---|---|---|
| Gurken | die Frucht vier bis sechs Wochen nach der Essreife gelb bis gelbbraun und weich ist | Samen wie bei Tomaten ein bis drei Tage gären lassen, auswaschen, trocknen |
| Zucchini, Kürbis | sich die Schale mit dem Fingernagel nicht mehr eindrücken lässt; danach drei bis vier Wochen trocken nachlagern | Samen herauskratzen, in Wasser von den Fasern lösen, abspülen; keine Gärung nötig |
| Melonen | die Frucht voll reif ist; eine Woche Nachlagern bei Zimmertemperatur verbessert die Samen | auswaschen und trocknen |
| Paprika, Chili | die Frucht voll ausgefärbt ist und leicht weich wird | helle Samen abschaben und direkt trocknen; braune Samen sind meist taub |
| Auberginen | die Schale matt gelbbraun und hart ist | Fruchtfleisch zerkleinern, einweichen, Samen auswaschen |
Bei scharfen Chilis trägst du beim Entkernen Handschuhe und fasst dir nicht ins Gesicht. Die Samen der Kürbisgewächse schwimmen oft auch dann oben, wenn sie gut sind; das Absetzen im Wasser taugt als Qualitätstest nur bei Tomaten.
Trocknen und richtig lagern
Feuchtigkeit ist der größte Feind des Saatguts. Trockne frisch gewonnene Samen rasch, aber schonend: luftig, schattig und bei Zimmertemperatur. Höher als etwa 30 °C sollte es nicht werden, Heizkörper, Backofen und pralle Sonne schaden der Keimkraft. Kleine Samen sind nach etwa einer Woche trocken, große Bohnen und Kürbiskerne brauchen zwei bis drei Wochen. Gut getrocknete Samen zerbrechen oder splittern, wenn du sie mit dem Fingernagel oder einer Zange drückst; biegen sie sich oder lassen sich quetschen, brauchen sie noch Zeit.
Für die Lagerung gilt: kühl, dunkel, trocken und gleichmäßig. Als Faustregel aus der Saatgutforschung verdoppelt sich die Haltbarkeit grob mit jedem Prozentpunkt weniger Feuchte im Samen und mit jeweils etwa 5 bis 6 °C niedrigerer Lagertemperatur. Eine zweite Faustregel kommt aus Ländern mit Fahrenheit-Skala: Temperatur in °F plus relative Luftfeuchte in Prozent sollte unter 100 liegen. Umgerechnet heißt das: Bei 10 °C im Keller darf die Luftfeuchte knapp 50 % betragen, bei 20 °C im Wohnzimmer nur noch gut 30 %. Weil das in Wohnräumen selten erreicht wird, schützt ein luftdichtes Gefäß die einmal getrockneten Samen vor wechselnder Luftfeuchte.
- Papiertüten sind ideal zum Nachtrocknen und für kurze Lagerung in trockenen, kühlen Räumen. Sie lassen Restfeuchte entweichen.
- Schraubgläser oder Dosen mit gut schließendem Deckel nehmen mehrere beschriftete Tütchen auf und halten Feuchte und Mäuse fern; im dunklen Schrank sind die Samen zugleich vor Licht geschützt. Hinein kommen nur vollständig trockene Samen.
- Trockenmittel: Ein Beutelchen Silikagel im Glas bindet Restfeuchte. Alternativ wirken ein bis zwei Esslöffel Milchpulver aus einer frisch geöffneten Packung, in ein Papiertaschentuch gewickelt, etwa ein halbes Jahr lang.
- Kühlschrank: Im dicht verschlossenen Glas eignet er sich gut für kurzlebige Arten wie Zwiebeln, Pastinaken und Petersilie. Nimm das Glas vor dem Öffnen heraus und lass es Raumtemperatur annehmen, sonst schlägt sich Wasser auf den kalten Samen nieder.
- Ungeeignet sind Gartenhaus, Garage, Dachboden und die Küche über dem Herd: Dort schwanken Temperatur und Feuchte stark.
| Art | Keimfähig etwa | Hinweis |
|---|---|---|
| Gurke, Zucchini, Kürbis, Melone | 5 Jahre | große Samen, sehr lagerfähig |
| Tomate, Aubergine | 4 Jahre | unter sehr guten Bedingungen oft deutlich länger |
| Rote Bete, Mangold, Radieschen, Rettich, Koriander | 4 Jahre | Rübensamen sind Knäuel mit mehreren Keimen |
| Paprika, Chili, Möhre, Salat, Sellerie, Fenchel | 3 Jahre | frisches Saatgut keimt gleichmäßiger |
| Bohne, Erbse, Spinat, Dill, Basilikum | 3 Jahre | Hülsenfrüchte vor Samenkäfern schützen |
| Zwiebel, Lauch, Schnittlauch, Petersilie | 2 Jahre | kühl lagern, rasch verbrauchen |
| Pastinake | 1 Jahr | jedes Jahr frisches Saatgut verwenden |
Beschrifte jedes Tütchen sofort mit Art, Sorte, Erntejahr und der Zahl der Mutterpflanzen, und lege einen zweiten Zettel ins Glas. Im Gartenjournal kannst du notieren, wie sich eine Sorte im Beet geschlagen hat, und der Saatgut-Lagerplaner zeigt, welche Vorräte du zuerst aufbrauchen solltest.
Keimprobe: prüfen, ob altes Saatgut noch keimt
Mit einer Keimprobe weißt du schon im Winter, ob sich eine Aussaat lohnt oder ob du neues Saatgut brauchst. Sie dauert je nach Art eine bis drei Wochen und gehört in den Februar, bevor die ersten Aussaaten auf der Fensterbank anstehen. Frisch geerntete Samen von Salat, Spinat oder Paprika keimen in den ersten Wochen nach der Ernte manchmal zögerlich, weil sie noch in einer natürlichen Keimruhe stecken; eine Probe im Spätwinter ist deshalb aussagekräftiger als eine direkt nach der Ernte.
Zum Schluss rechnest du die Keimrate aus: gekeimte Samen geteilt durch ausgelegte Samen mal 100. Keimen 7 von 10 Samen, sind es 70 %. Die Tabelle unter der Anleitung zeigt, was das Ergebnis für deine Aussaat bedeutet.
- Mindestens 10 Samen abzählen, besser 20 bis 50. Je mehr Samen, desto genauer das Ergebnis.
- Zwei Lagen Küchenpapier oder einen Kaffeefilter anfeuchten, sodass das Papier nass ist, aber nicht tropft. Die Samen mit etwas Abstand darauflegen.
- Das Papier locker einschlagen und in eine Frischhaltedose oder einen Gefrierbeutel mit etwas Luft legen. Lichtkeimer wie Salat oder Sellerie bleiben dabei unbedeckt auf dem Papier liegen.
- Warm aufstellen, für Tomaten, Paprika und Kürbisgewächse bei 20 bis 25 °C, für Spinat, Erbsen und Salat bei 15 bis 20 °C. Direkte Sonne meiden.
- Ab dem dritten Tag täglich nachsehen, das Papier feucht halten und kurz lüften, damit sich kein Schimmel bildet.
- Nach der üblichen Keimdauer der Art plus einige Tage Reserve auszählen. Petersilie und Pastinaken brauchen bis zu vier Wochen. Als gekeimt zählen nur Samen mit einer gesunden, kräftigen Keimwurzel.
| Keimrate | Bewertung | So säst du |
|---|---|---|
| ab etwa 70 % | gutes Saatgut | wie gewohnt |
| 50–70 % | nachlassende Keimkraft | entsprechend dichter säen und den Vorrat in dieser Saison aufbrauchen |
| unter 50 % | schwaches Saatgut | mindestens doppelt so dicht säen oder ersetzen; eigene Sorten in diesem Jahr unbedingt neu vermehren |
Die gekeimten Samen großer Arten wie Bohnen, Kürbis oder Tomaten musst du nicht wegwerfen. Setze sie vorsichtig in kleine Töpfe mit Anzuchterde, die Keimwurzel nach unten, dann wird aus der Probe gleich die erste Aussaat. Wann welche Art an der Reihe ist, zeigt der Aussaatkalender.
Häufige Fehler bei der Saatgutgewinnung
- Samen von F1-Hybriden nachbauen: Die Nachkommen fallen uneinheitlich aus und gleichen kaum der Mutterpflanze.
- Mehrere Sorten einer Art nebeneinander blühen lassen: Bei Fremdbefruchtern wie Zucchini, Kürbis, Kohl oder Roter Bete entstehen Mischlinge, im schlimmsten Fall bittere Kürbisgewächse.
- Zu früh ernten: Samen aus essreifen Gurken, grünen Bohnen oder grünen Paprika sind unreif und keimen schlecht oder gar nicht.
- Die ersten Schosser vermehren: Wer Samen von früh schießendem Salat oder Spinat nimmt, selektiert ungewollt auf schnelles Schossen.
- Nur eine Mutterpflanze bei Fremdbefruchtern: Die Sorte verarmt genetisch und verliert über die Generationen an Wuchskraft.
- Feuchte Samen luftdicht verpacken: Schon geringe Restfeuchte im verschlossenen Glas führt zu Schimmel oder lässt die Samen vorzeitig altern.
- Zu heiß trocknen: Auf der Heizung, im Backofen oder in der prallen Sonne leidet die Keimkraft.
- Nicht beschriften: Nach zwei Jahren weiß niemand mehr, welche Tomate in welchem Tütchen steckt und wie alt die Samen sind.
- Samen kranker Pflanzen verwenden: Manche Pilz-, Bakterien- und Viruskrankheiten werden über das Saatgut weitergegeben.
Häufige Fragen
Kann ich Samen aus gekauften Tomaten oder Paprika aussäen?
Keimen werden sie oft, aber das Ergebnis ist ungewiss. Viele Handelssorten sind F1-Hybriden, deren Nachkommen aufspalten, und die Sorte ist meist unbekannt. Für einen Versuch auf der Fensterbank taugt das, für eine verlässliche Ernte startest du besser mit gekauftem samenfestem Saatgut und vermehrst dieses weiter.
Ist Saatgut nach Ablauf des Datums auf der Tüte wertlos?
Nein. Das Datum gibt an, bis wann der Hersteller eine bestimmte Keimfähigkeit zusagt. Danach lässt die Keimkraft allmählich nach, sie endet aber nicht schlagartig. Kühl und trocken gelagertes Saatgut ist oft noch Jahre später brauchbar. Eine Keimprobe im Februar zeigt dir, ob du normal, dichter oder gar nicht mehr damit säen solltest.
Darf ich Saatgut im Gefrierschrank lagern?
Ja, wenn die Samen sehr gut getrocknet sind und in einem dicht schließenden Gefäß liegen. Dann halten sie dort besonders lange. Enthalten sie noch Feuchtigkeit, können Eiskristalle die Samen schädigen. Für den Hausgebrauch genügen ein kühler Keller oder der Kühlschrank; vor dem Öffnen lässt du das Gefäß in jedem Fall Raumtemperatur annehmen.
Darf ich selbst gewonnenes Saatgut weitergeben?
Unter Hobbygärtnern ist es seit jeher üblich, Saatgut im Bekanntenkreis oder auf privaten Tauschbörsen ohne Gewinnabsicht weiterzugeben. Für den Verkauf und für geschützte Sorten gelten dagegen besondere Regeln; wer mehr als im privaten Rahmen weitergeben will, informiert sich vorher. Gib nur Saatgut gesunder Pflanzen weiter und notiere Art, Sorte, Erntejahr und ob es sich um eine sortenreine Vermehrung handelt.
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