🍄 Mehltau
Mehltau im Überblick
Unter dem Namen Mehltau laufen zwei Krankheiten, die ähnlich heißen, biologisch aber wenig miteinander zu tun haben. Der Echte Mehltau wird von echten Pilzen verursacht, die als weißes Geflecht außen auf dem Blatt wachsen und nur ihre Saugorgane in die obersten Zellschichten schicken. Der Falsche Mehltau gehört dagegen zu den Eipilzen (Oomyceten): Er wächst im Inneren des Blattes und tritt nur an der Unterseite als grauer bis violetter Sporenrasen nach außen. Der Unterschied ist mehr als Fachsprache, denn beide mögen gegensätzliches Wetter und verlangen unterschiedliche Gegenmaßnahmen.
Beide Erregergruppen sind auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert. Der Mehltau der Gurke geht nicht auf die Rose über, der Rosenmehltau nicht auf die Stachelbeere. Eine kranke Pflanze gefährdet also selten den ganzen Garten, wohl aber Pflanzen derselben Art oder Familie in der Nähe. Laut den Steckbriefen gehören Gurken, Zucchini, Kürbis, Melonen, Tomaten, Stachelbeeren, Weintrauben und Rosen zu den anfälligsten Kulturen.
Wie schwer ein Befall wiegt, hängt vom Zeitpunkt ab. Echter Mehltau auf Zucchini- und Kürbisblättern im September ist beinahe normal und verkürzt die Saison nur wenig. Tritt er dagegen schon im Juni an jungen Gurken auf oder überzieht der Amerikanische Stachelbeermehltau die Beeren, kostet das spürbar Ertrag. Falscher Mehltau an Gurken oder Weinreben kann bei anhaltend nassem Wetter in kurzer Zeit große Teile des Laubs vernichten.
Symptome
Weißer, mehlartiger Belag auf Blattoberseiten (Echter Mehltau) oder gräulicher Belag auf Blattunterseiten bei feuchter Witterung (Falscher Mehltau).
- Echter Mehltau im Frühstadium: einzelne rundliche, weiße Flecken auf der Blattoberseite, die aussehen wie mit Mehl bestäubt und sich mit dem Finger abwischen lassen.
- Echter Mehltau, fortgeschritten: Der Belag fließt zusammen, überzieht auch Stiele, Triebe und Blattunterseiten; das Blatt vergilbt, wird braun und brüchig.
- Falscher Mehltau an Gurken: eckige, von den Blattadern begrenzte gelbe Flecken auf der Oberseite, darunter ein grauer bis violetter Belag, der sich nicht abwischen lässt.
- Falscher Mehltau an Weinreben: gelblich durchscheinende Flecken, die im Gegenlicht wie Ölflecken wirken, darunter ein weißer Sporenrasen; befallene junge Beeren werden grau und schrumpfen.
- Amerikanischer Stachelbeermehltau: zunächst weißer Belag an Triebspitzen und Beeren, der später zu einem braunen, filzigen Überzug wird; die Triebspitzen verkrüppeln.
- Rosen: weißer Belag vor allem auf jungen Blättern, Knospen und Blütenstielen; die Blätter verkrümmen sich und färben sich oft rötlich.
- Tomaten: weiße, pudrige Flecken vor allem auf älteren Blättern im Gewächshaus, von denen aus das Blatt vergilbt.
Ursachen und Entwicklung
Der Echte Mehltau gilt als Schönwetterpilz. Seine Sporen keimen schon bei hoher Luftfeuchtigkeit, Wasser muss dafür nicht auf dem Blatt stehen. Besonders günstig sind warme, trockene Tage mit taufeuchten Nächten, wie sie im Spätsommer typisch sind, wenn die Temperaturen zwischen Tag und Nacht stark schwanken. Pflanzen unter Trockenstress, etwa Gurken mit zu wenig Wasser oder Zucchini auf ausgedörrtem Boden, erkranken leichter, ebenso weiche Triebe nach zu viel Stickstoff.
Der Falsche Mehltau braucht dagegen nasses Laub. Seine Sporen keimen in einem Wasserfilm und dringen durch die Spaltöffnungen ins Blatt ein. Einige Stunden Blattnässe nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter genügen dafür. Deshalb häuft er sich in regenreichen Sommern, bei dichter Pflanzung und in schlecht gelüfteten Gewächshäusern, in denen sich nachts Kondenswasser auf den Blättern sammelt.
Beide überdauern gern an Ort und Stelle: Echter Mehltau etwa in den Knospen von Rosen und Stachelbeeren oder als winzige Dauerkörper auf abgestorbenem Laub, Falscher Mehltau als Dauersporen in Pflanzenresten und im Boden. Ein Garten, in dem jedes Jahr Gurken am selben Platz wachsen und das kranke Laub im Herbst liegen bleibt, baut so einen Vorrat an Erregern auf. Der Fruchtfolge-Planer hilft, Kürbisgewächse jedes Jahr an eine andere Stelle zu setzen.
Maßnahmen
Befallene Blätter entfernen, für ausreichend Abstand und Luftzirkulation sorgen, von oben gießen vermeiden, bei Bedarf mit verdünnter Milch oder Backpulverlösung behandeln.
Vorbeugen
- Robuste Sorten wählen: Bei Gurken, Zucchini und Kürbis gibt es Sorten, die als mehltautolerant beschrieben sind, bei Stachelbeeren mehltauresistente Züchtungen und bei Weinreben pilzwiderstandsfähige Rebsorten, oft kurz PIWI genannt.
- Abstand halten: Der empfohlene Pflanzabstand, bei Gurken etwa 100 cm zwischen den Reihen und 50 cm in der Reihe, lässt das Laub nach Tau und Regen schnell abtrocknen. Wie viele Pflanzen auf dein Beet passen, zeigt der Pflanzabstandsrechner.
- Am Boden und gleichmäßig gießen: Nasses Laub fördert den Falschen, Trockenstress den Echten Mehltau. Morgens direkt in den Wurzelbereich gießen und den Boden mit Mulch feucht halten, deckt beides ab.
- Maßvoll düngen: Stickstoffbetonte Düngung erzeugt weiches, anfälliges Gewebe. Kompost und eine bedarfsgerechte Menge laut Düngerrechner sind die bessere Wahl.
- Gewächshaus früh lüften: Fenster und Tür morgens öffnen, damit nächtliches Kondenswasser rasch abtrocknet.
- Sträucher luftig schneiden: Stachelbeeren und Rosen mit einem Auslichtungsschnitt offen halten. Befallene Triebspitzen der Stachelbeere im Winter großzügig herausschneiden, weil der Pilz dort überwintert.
- Falllaub einsammeln: Krankes Herbstlaub von Rosen und Weinreben aufsammeln und über den Hausmüll entsorgen, statt es unter den Pflanzen verrotten zu lassen.
Bekämpfung Schritt für Schritt
- Diagnose klären: Den Belag mit dem Finger abwischen. Lässt er sich entfernen und sitzt er oben auf dem Blatt, ist es Echter Mehltau. Bleibt er an der Unterseite haften und zeigen sich oben gelbe, eckige Flecken, ist es Falscher Mehltau. Davon hängt alles Weitere ab.
- Erste befallene Blätter entfernen: Die ersten Blätter mit Belag abschneiden, in eine Tüte stecken und in den Hausmüll geben. Bei Kürbisgewächsen nicht zu viel Laub auf einmal nehmen, damit die Pflanze ihre Früchte weiter versorgen kann.
- Bestand luftiger machen: Bodennahe Blätter entfernen, zu dichte Triebe auslichten, Gurken an Rankhilfen hochleiten. Gegen Falschen Mehltau an Freilandgurken hilft notfalls ein provisorisches Regendach.
- Hausmittel gegen Echten Mehltau: Verdünnte Milch oder eine Natron- beziehungsweise Backpulverlösung können den Echten Mehltau bremsen, wenn sie früh und wiederholt auf die Blätter gesprüht werden. Gegen Falschen Mehltau wirken sie kaum; Pflanzen mit diesem Befall hältst du besser trocken, statt sie zusätzlich zu befeuchten.
- Pflanzenstärkung ergänzend: Auszüge aus Ackerschachtelhalm werden traditionell vorbeugend gespritzt, um das Blattgewebe zu festigen. Eine Behandlung ersetzen sie nicht.
- Zugelassene Mittel als letzter Schritt: Gegen Echten Mehltau gibt es für den Haus- und Kleingarten Pflanzenschutzmittel, etwa auf Basis von Netzschwefel oder Kaliumhydrogencarbonat; gegen Falschen Mehltau ist die Auswahl deutlich kleiner. Das Mittel muss für die jeweilige Kultur zugelassen sein; Zulassung, Wartezeit und Anwendungshinweise auf der Packung beachten.
- Saisonende nutzen: Stark befallene Gurken-, Zucchini- und Kürbispflanzen nach der letzten Ernte vollständig entfernen und nicht auf den eigenen Kompost geben, damit weniger Erreger überwintern.
Verwechslungsgefahr
Bei Zucchini und manchen Kürbissorten sorgt eine harmlose Eigenschaft immer wieder für Fehlalarm: Viele Sorten tragen eine silbrig-weiße Blattzeichnung entlang der Blattadern. Sie ist von Anfang an im Blatt angelegt, lässt sich nicht abwischen und folgt einem gleichmäßigen Muster, während Mehltau als unregelmäßige, pudrige Flecken irgendwo auf der Blattfläche beginnt und sich ausbreitet. Auch Kalkflecken vom Gießwasser oder Staub lassen sich abwischen, kehren aber nicht von selbst zurück.
Falscher Mehltau an Gurken oder Rosen wird leicht für Nährstoffmangel oder Sonnenbrand gehalten, weil zuerst nur gelbe Flecken auf der Oberseite auffallen. Ein Blick auf die Blattunterseite am frühen Morgen schafft Klarheit, denn nur der Falsche Mehltau bildet dort seinen Sporenrasen. Schwarze, sternförmig ausgefranste Flecken an Rosenblättern sind dagegen Sternrußtau, eine eigene Pilzkrankheit. An Tomaten im Gewächshaus kann ein olivbrauner, samtiger Belag unter gelben Flecken auf die Samtfleckenkrankheit hindeuten. Beim Eingrenzen hilft der Pflanzenkrankheiten-Finder.
Häufige Fragen zu Mehltau
Kann ich Gurken und Zucchini von Pflanzen mit Mehltau noch essen?
Ja, die Früchte sind nicht giftig und werden vom Mehltau der Kürbisgewächse kaum befallen. Stark geschwächte Pflanzen liefern aber kleinere Früchte, bei Melonen und Kürbissen fehlt oft Süße, weil das kranke Laub zu wenig Energie liefert. Normal waschen und verwenden.
Warum bekommen meine Zucchini jedes Jahr ab August Mehltau?
Im Spätsommer kommen mehrere Auslöser zusammen: warme Tage, kühle, taufeuchte Nächte, älteres Laub und oft auch Trockenstress. Bei Kürbisgewächsen ist Echter Mehltau zu dieser Zeit fast unvermeidlich. Gleichmäßiges Gießen, mehltautolerante Sorten und eine zweite, im Juni nachgepflanzte Zucchini sorgen dafür, dass bis in den Herbst gesunde Blätter die Früchte versorgen.
Steckt Mehltau andere Pflanzen im Garten an?
Nur Pflanzen, die zum Wirtskreis des jeweiligen Erregers gehören. Der Mehltau deiner Rosen geht nicht auf die Gurken über, wohl aber kann er von einer Gurke auf die Melone oder den Kürbis daneben wandern. Kürbisgewächse deshalb nicht dicht an dicht setzen und die ersten befallenen Blätter früh entfernen.
Was ist der Amerikanische Stachelbeermehltau?
Eine aus Nordamerika eingeschleppte Form des Echten Mehltaus, die vor allem Stachelbeeren und in geringerem Maß Schwarze Johannisbeeren befällt. Die Beeren bekommen einen erst weißen, später braunen Filz und sind dann nur noch eingeschränkt verwendbar. Mehltauresistente Sorten, ein luftiger Schnitt und das Herausschneiden befallener Triebspitzen sind die wirksamsten Gegenmittel.
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