Vorbeugen & erkennen

🥀 Krautfäule

Krankheit

Krautfäule im Überblick

Krautfäule ist der gebräuchliche Gartenname für die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel. Verursacht wird sie von Phytophthora infestans, einem Eipilz, der an Tomaten die Braunfäule auslöst – beide Begriffe bezeichnen dieselbe Krankheit. Welcher Name verwendet wird, hängt von der Kulturpflanze und dem befallenen Pflanzenteil ab: Bei der Kartoffel fällt zuerst das absterbende Kraut auf, also das Laub über der Erde, bei der Tomate die braun werdenden Früchte. In vielen Gärten zeigt sich die Krankheit zuerst an den Kartoffeln und erreicht von dort die Tomaten.

Für den Kartoffelanbau hat die Krankheit zwei Gesichter. Über der Erde vernichtet sie bei nassem Wetter in wenigen Tagen bis Wochen das Laub; die Pflanze kann dann keine Stärke mehr in die Knollen einlagern, und der Ertrag bleibt kleiner. Unter der Erde infizieren Sporen, die der Regen in den Boden spült, die Knollen selbst. Diese Knollenfäule ist tückisch, weil sie bei der Ernte oft kaum auffällt und sich erst im Lager zeigt.

Die Krautfäule hat Geschichte geschrieben: Sie war die Ursache der großen Hungersnot in Irland in den 1840er-Jahren. Im Hausgarten geht es heute um weniger, das Prinzip ist aber gleich geblieben – ein nasser Sommer und anfällige Sorten genügen für einen Ausbruch. Wer Kartoffeln anbaut, sollte die Krankheit kennen, auch wenn sie in trockenen Jahren kaum eine Rolle spielt.

Symptome

Dunkle, wässrige Flecken auf dem Laub, die sich schnell ausbreiten, bei feuchter Witterung weißlicher Pilzrasen an der Blattunterseite, betroffen sind vor allem Kartoffeln und Tomaten.

  • Erste Blattflecken: dunkelgrüne bis braune, wässrig wirkende Stellen, meist an Blattspitze oder Blattrand und oft zuerst im dichten, feuchten Inneren des Bestands.
  • Heller Übergang: Um das abgestorbene Gewebe liegt häufig ein hellgrüner bis gelblicher Saum, in dem sich der Erreger gerade ausbreitet.
  • Weißer Belag an der Unterseite: Morgens nach feuchten Nächten am Fleckenrand ein zarter, weißlicher Rasen aus Sporenträgern, der im Lauf des Tages wieder verschwinden kann.
  • Stängelflecken: braune bis schwarze Abschnitte an Stängeln und Blattstielen; die Triebe werden brüchig und knicken um.
  • Zusammenbrechendes Kraut: Bei anhaltender Nässe färbt sich der ganze Bestand in kurzer Zeit braun und fällt in sich zusammen, begleitet von einem unangenehm modrigen Geruch.
  • Knollen von außen: leicht eingesunkene, graublaue bis bräunlich-violette Flecken auf der Schale.
  • Knollen im Anschnitt: eine rostbraune, körnig-trockene Verfärbung, die sich unregelmäßig von der Schale ins Fleisch zieht. Kommen Bakterien hinzu, wird die Knolle matschig und riecht stark.

Ursachen und Entwicklung

Ausgangspunkt der Krankheit ist meist die Kartoffel selbst. Infizierte Knollen, die unbemerkt ins Lager gelangt sind, beim Roden im Boden vergessen wurden oder auf dem Kompost- oder Abfallhaufen liegen, treiben im Frühjahr aus, und an ihren ersten Trieben bildet der Erreger neue Sporen. Deshalb ist gesundes Pflanzgut so entscheidend: Amtlich anerkannte Pflanzkartoffeln werden auf Krankheiten geprüft, Speisekartoffeln aus Vorrat oder Supermarkt nicht. Hinzu kommen Dauersporen, die entstehen, wenn beide Paarungstypen des Erregers aufeinandertreffen, und die mehrere Jahre im Boden überleben können.

Für die Ausbreitung braucht der Erreger nasses Laub. Nach Regen oder Tau müssen die Blätter einige Stunden feucht bleiben, damit Sporen keimen und eindringen können; milde Temperaturen und eine Luftfeuchte nahe der Sättigung beschleunigen den Vorgang. In nassen Jahren kann der erste Befall schon im Juni auftreten, häufiger beginnt er im Juli. Ein dicht stehender, üppiger Bestand, in dem die feuchte Luft zwischen den Stauden steht, bietet ideale Bedingungen.

Die Knollen werden auf zwei Wegen angesteckt: Regen wäscht Sporen von kranken Blättern in den Boden, wo sie flach liegende Knollen erreichen, und beim Roden kommen Knollen mit infiziertem, noch lebendem Kraut in Berührung. Beide Wege lassen sich durch gutes Anhäufeln und den richtigen Erntezeitpunkt stark einschränken.

Maßnahmen

Auf weiten Pflanzabstand und gute Durchlüftung achten, befallenes Kraut umgehend entfernen und entsorgen, bei Kartoffeln auf robuste, resistente Sorten setzen.

Vorbeugen

  • Anerkanntes Pflanzgut verwenden: Pflanzkartoffeln aus dem Fachhandel statt eigener oder gekaufter Speisekartoffeln legen und jede Knolle beim Vorkeimen auf Flecken und Faulstellen prüfen.
  • Vorkeimen: Vorgekeimte Knollen laufen schneller auf und setzen früher Knollen an. Frühe Sorten sind so oft schon erntereif, bevor die Krautfäule im Hochsommer richtig in Fahrt kommt. Gepflanzt wird ab Ende März bis April.
  • Robuste Sorten: Es gibt Kartoffelsorten mit geringer Anfälligkeit für Krautfäule. Verschont bleiben auch sie nicht immer, sie verschaffen dir aber wertvolle Zeit bis zur Ernte.
  • Luftiger Bestand: Mit 70 cm zwischen den Reihen und 35 cm in der Reihe bleibt der Bestand durchlüftet. Wenn möglich, die Reihen so anlegen, dass der vorherrschende Wind hindurchstreichen kann.
  • Hoch und breit anhäufeln: Eine dicke Erdschicht über den Knollen hält Sporen, die mit dem Regen in den Boden gelangen, von ihnen fern. Erstmals häufeln, wenn das Kraut 15 bis 20 cm hoch ist, und später nachhäufeln.
  • Fruchtfolge: Kartoffeln erst nach drei bis vier Jahren wieder auf dieselbe Fläche und nicht dorthin, wo im Vorjahr Tomaten standen. Der Fruchtfolge-Planer behält die Jahre im Blick.
  • Durchwuchs beseitigen: Kartoffeln, die im Folgejahr aus vergessenen Knollen in anderen Beeten oder auf dem Kompost austreiben, sofort ausgraben.

Bekämpfung Schritt für Schritt

  1. Ab Juni regelmäßig kontrollieren, besonders nach mehreren feuchten Tagen. Erste Flecken an einzelnen Blättern lassen sich noch abschneiden und im Hausmüll entsorgen.
  2. Einzelne kranke Stauden entfernen: Ist eine Pflanze stark betroffen, ihr gesamtes Kraut dicht über dem Boden abschneiden und entsorgen. Das schützt die Nachbarpflanzen und verhindert, dass weitere Sporen auf die Erde rieseln.
  3. Kraut des ganzen Bestands abschneiden: Hat die Krankheit einen Großteil des Laubs erfasst, wächst ohnehin kaum noch Ertrag zu. Dann das gesamte Kraut abschneiden und aus dem Beet entfernen, statt es liegen zu lassen.
  4. Mit der Ernte warten: Nach dem Entfernen des Krauts etwa zwei bis drei Wochen verstreichen lassen. In dieser Zeit festigt sich die Schale, und Sporen an der Bodenoberfläche sterben ab, bevor die Knollen beim Roden mit ihnen in Kontakt kommen.
  5. Trocken roden und streng sortieren: An einem trockenen Tag ernten, die Knollen abtrocknen lassen und jede mit Flecken oder weichen Stellen aussortieren. Leicht beschädigte, aber gesunde Knollen zuerst verbrauchen.
  6. Lager regelmäßig durchsehen: Kartoffeln dunkel, luftig und kühl bei etwa 4 bis 8 °C lagern und in den ersten Wochen wöchentlich kontrollieren. Eine faulende Knolle steckt über Nässe und Bakterien schnell ihre Nachbarn an.
  7. Pflanzenschutzmittel nur vorbeugend: Die wenigen für den Haus- und Kleingarten zugelassenen Mittel gegen Krautfäule wirken nur auf noch gesundes Laub und müssen vor dem Befall ausgebracht werden. Wer sie einsetzt, beachtet Zulassung, Anwendungshinweise und Wartezeit auf der Packung. Im kleinen Garten sind Sortenwahl, Vorkeimen und frühes Abschneiden des Krauts meist der bessere Weg.

Verwechslungsgefahr

Am Kartoffellaub wird die Krautfäule am häufigsten mit der Dürrfleckenkrankheit (Alternaria) verwechselt. Deren Flecken sind kleiner, trocken, scharf begrenzt und oft eckig, weil die Blattadern sie bremsen; mit der Lupe sind konzentrische Ringe zu sehen. Sie beginnt an älteren Blättern, breitet sich gemächlich aus und mag eher warmes, wechselfeuchtes Wetter. Auch die natürliche Abreife im Spätsommer, bei der das Kraut von unten her vergilbt und langsam einzieht, ist kein Grund zur Sorge. Ein schneller, nasser Zusammenbruch mit weißem Belag an der Blattunterseite dagegen schon.

Bei den Knollen helfen Schnitt und Lage der Verfärbung. Krautfäule wächst von der Schale aus unregelmäßig nach innen. Die Eisenfleckigkeit, rostbraune Flecken mitten im Fleisch ohne Verbindung zur Schale, hat andere Ursachen, etwa Trockenstress, Nährstoffmangel oder ein bodenbürtiges Virus. Kartoffelschorf bildet raue, korkige Krusten auf der Schale und ist nur ein Schönheitsfehler; geschält lassen sich die Knollen normal verwenden. Weitere Krankheitsbilder grenzt der Pflanzenkrankheiten-Finder ab.

Häufige Fragen zu Krautfäule

Kann ich Kartoffeln von krautfaulen Pflanzen essen?

Knollen, die außen und im Anschnitt gesund sind, ja – der Erreger befällt nur Pflanzen. Knollen mit braunen Flecken unter der Schale sortierst du besser aus, weil sie schlecht schmecken und nicht lagerfähig sind. Fürs Lager kommen nur einwandfreie Knollen infrage.

Darf Kraut mit Krautfäule auf den Kompost?

Besser nicht auf den eigenen Kompost. Ein Gartenkomposthaufen wird selten überall heiß genug, und vor allem mitgeschleppte kranke Knollen können dort austreiben und neue Sporen bilden. Kraut und befallene Knollen gehören in den Restmüll; wie ein gesunder Komposthaufen funktioniert, erklärt der Ratgeber Kompost anlegen.

Kann ich eigene Kartoffeln als Pflanzgut verwenden?

Möglich ist es, aber riskant. Knollen aus einem Jahr mit Krautfäule können den Erreger unsichtbar in sich tragen, und auch Viruskrankheiten reichern sich über die Jahre an. Wer eigenes Pflanzgut nimmt, wählt nur Knollen von gesunden, kräftigen Stauden und kauft regelmäßig frisches, anerkanntes Pflanzgut zu.

Warum erkranken meine Tomaten, obwohl ich keine Kartoffeln anbaue?

Die Sporen fliegen mit dem Wind auch aus Nachbargärten und von Kartoffelfeldern der Umgebung heran. Dann genügt nasses Tomatenlaub für eine Infektion. Wie du Tomaten mit Regenschutz und der richtigen Gießtechnik schützt, steht auf der Seite zur Braunfäule.

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