Pflanzensteckbrief

🥔 Kartoffeln

GemüseMittelzehrer
🌱
Aussäen
Keine Direktsaat/Pflanzung üblich
🪴
Pflanzen
Mär, Apr
🧺
Ernten
Jul, Aug, Sep
⏱️
Keimdauer
14–21 Tage
📏
Reihen- × Pflanzabstand
70 × 35 cm
💧
Wasserbedarf
10 L/m²/Woche
🧪
Düngerbedarf
60 g/m²
☀️
Kategorie
Gemüse

Kartoffeln im Überblick

Die Kartoffel stammt aus den südamerikanischen Anden und ist ein Nachtschattengewächs wie Tomate und Paprika. Was du isst, ist keine Wurzel, sondern eine verdickte Sprossknolle, die unterirdisch an Ausläufern entsteht. Das Kraut ist frostempfindlich, deshalb wird die Kartoffel bei uns einjährig angebaut und nicht aus Samen, sondern aus Knollen vermehrt. Die kleinen grünen Beeren, die sich nach der Blüte bilden können, sind wie alle grünen Pflanzenteile giftig und gehören nicht in Kinderhände.

Auch die Knolle selbst bildet bei Lichteinfall Chlorophyll und den Giftstoff Solanin. Grüne Stellen und lange, dicke Keime schneidest du deshalb großzügig weg, stark ergrünte Knollen gehören in den Müll. Das Häufeln im Beet ist daher keine Spielerei, sondern hält die Knollen vom Licht fern. Als Mittelzehrer mag die Kartoffel lockeren, humosen Boden ohne Staunässe und profitiert von reifem Kompost, aber nicht von frischem Mist.

Von der Pflanzung bis zur Ernte vergehen je nach Sorte gut drei bis fünf Monate. Bei 70 cm Reihen- und 35 cm Pflanzabstand stehen gut vier Pflanzen auf einem Quadratmeter (etwa 1,4 Reihen mal 2,9 Pflanzen), ein Beet von 10 m² braucht also gut 40 Pflanzknollen. Für andere Beetgrößen nennt dir der Pflanzenanzahl-Rechner die passende Knollenzahl.

Standort & Boden

Sonnig bis halbschattig, offene Fläche ohne zu viel Konkurrenz durch Bäume.

Lockerer, humoser Boden ohne Staunässe. Kartoffeln vertragen keine frische Stallmistgabe direkt vor der Pflanzung.

Aussaat & Pflanzung

Keine Aussaat, sondern Pflanzung vorgekeimter Knollen ab Ende März bis April, sobald der Boden abgetrocknet ist und sich auf mindestens 8 °C erwärmt hat.

Pflege

Mehrfach anhäufeln, sobald das Kraut etwa 15–20 cm hoch ist – das schützt die Knollen vor Licht (Grünfärbung) und fördert den Ertrag. Gleichmäßig wässern, besonders während der Blüte.

Ernte

Frühkartoffeln ab Juni/Juli, Lagerkartoffeln ab September, sobald das Kraut abgestorben ist. An einem trockenen Tag roden und vor dem Einlagern abtrocknen lassen.

Sorten und Auswahl

Nach der Reifezeit gibt es früh, mittelfrüh und spät reifende Sorten. Frühkartoffeln liefern ab Juni oder Juli kleine, zarte Knollen mit dünner Schale, lagern aber schlecht und sind für den raschen Verbrauch gedacht. Mittelfrühe und späte Sorten bringen die größeren Mengen und sind die Lagerkartoffeln für Herbst und Winter. Nach dem Kochverhalten unterscheidest du festkochende Sorten für Salzkartoffeln und Salat, vorwiegend festkochende als Allrounder und mehligkochende für Püree, Klöße und Suppen.

Schalen- und Fleischfarbe von gelb über rot bis blau-violett sind Geschmackssache. Im Garten zählt mehr, wie anfällig eine Sorte für Krautfäule, Schorf und Viren ist, denn robuste Sorten ersparen dir viel Ärger. Kaufe zertifiziertes Pflanzgut im Fachhandel. Speisekartoffeln aus dem Supermarkt sind nicht zum Anbau gedacht, sie sind oft keimgehemmt und können Krankheiten übertragen. Wer eigene Ernte als Pflanzgut nutzt, sollte nach einigen Jahren frisches Pflanzgut zukaufen, weil sich Viren über die Jahre anreichern.

Kartoffeln anbauen: Schritt für Schritt

  1. Februar bis März: Die Pflanzknollen etwa vier bis sechs Wochen vor dem Legen in flache Kisten setzen und hell bei 10 bis 15 °C vorkeimen. Es sollen kurze, kräftige, dunkle Keime entstehen; lange, blasse Keime brechen beim Pflanzen leicht ab.
  2. Ende März bis April: Sobald der Boden abgetrocknet und krümelig ist, legst du die Knollen etwa 10 cm tief, Keime nach oben, mit 70 cm Reihen- und 35 cm Pflanzabstand. Die Fläche rechnet der Pflanzabstandsrechner für dich aus.
  3. Zwei bis drei Wochen nach dem Legen: Das Kraut erscheint, in kalten Frühjahren auch später. Droht Frost, ziehst du Erde über die Triebe oder legst Vlies auf. Mehr zu Spätfrösten und ihren Terminen im Frosttermin-Rechner.
  4. Kraut 15 bis 20 cm hoch: Zum ersten Mal häufeln, also Erde aus dem Zwischenraum an die Pflanzen ziehen, bis nur noch die Spitzen herausschauen. Nach zwei bis drei Wochen wiederholst du das, sobald das Kraut wieder deutlich gewachsen ist.
  5. Mai bis Juni: Ab der Blüte setzen die Knollen an, jetzt ist gleichmäßige Wasserversorgung besonders wichtig. Der Richtwert von 10 Litern pro Quadratmeter und Woche inklusive Regen lässt sich mit dem Bewässerungsrechner auf dein Beet übertragen. Als Mittelzehrer bekommen Kartoffeln vor dem ersten Häufeln etwa 60 g organischen Dünger pro Quadratmeter, die Menge zeigt der Düngerrechner.
  6. Juni bis August: Das Kraut regelmäßig auf Kartoffelkäfer prüfen: gelb-schwarz gestreifte Käfer, orangerote, dickliche Larven und gelbe Eigelege auf den Blattunterseiten werden abgesammelt. Bei feuchtwarmem Wetter auf Krautfäule achten und befallenes Kraut sofort entfernen.
  7. Ab Juni oder Juli: Frühkartoffeln roden, sobald die Knollen groß genug sind. Eine Probegrabung neben einer Pflanze zeigt, ob sich das Warten noch lohnt.
  8. September: Lagerkartoffeln erst ernten, wenn das Kraut abgestorben ist, und dann noch zwei bis drei Wochen warten, bis die Schale fest sitzt. An einem trockenen Tag roden.

Häufige Fehler

  • Zu früh in kalten, nassen Boden legen. Die Knollen faulen, der Austrieb zieht sich über Wochen. Warte, bis der Boden abgetrocknet und krümelig ist, und nimm vorgekeimte Knollen, die schneller anwachsen.
  • Das Häufeln vergessen. Knollen dicht unter der Oberfläche werden grün und giftig, der Ertrag bleibt klein. Häufle mehrfach, bevor das Kraut die Reihen schließt.
  • Kartoffeln neben Tomaten setzen. Beide werden vom selben Erreger befallen, der bei der Kartoffel Krautfäule und bei der Tomate Braunfäule heißt. Plane getrennte Beete und mindestens drei Jahre Anbaupause, der Fruchtfolge-Planer hilft dabei.
  • Unregelmäßig wässern. Der Wechsel von Trockenheit und Nässe führt zu rissigen oder missgestalteten Knollen. Gieße ab der Blüte gleichmäßig und mulche die Reihen.
  • Knollen im Boden vergessen und krankes Kraut kompostieren. Übersehene Knollen treiben im nächsten Jahr als Durchwuchs aus und können Krankheiten weitertragen. Lies beim Roden alles auf und gib krautfäulebefallenes Kraut nicht auf den Kompost.
  • Zu früh roden. Bei weicher, abziehbarer Schale verlieren Knollen schnell Wasser, bekommen Druckstellen und faulen im Lager. Warte nach dem Absterben des Krauts, bis die Schale fest ist.

Ernte, Verwendung und Lagerung

Frühkartoffeln erntest du ab Juni oder Juli, Lagerkartoffeln im September, wenn das Kraut abgestorben ist. Die Reife prüfst du mit dem Daumen: Lässt sich die Schale nicht mehr abreiben, ist die Knolle lagerfähig. Gerodet wird mit der Grabegabel an einem trockenen Tag, und zwar mit Abstand zur Pflanze, damit du keine Knollen aufspießt. Lass sie anschließend nur wenige Stunden an der Luft abtrocknen, denn Sonne lässt sie ergrünen.

Für das Winterlager brauchst du einen dunklen, kühlen, frostfreien und luftigen Platz, zum Beispiel einen Keller mit Kisten oder luftdurchlässigen Säcken. Ideal sind etwa 4 bis 8 °C: Bei weniger als 4 °C wandelt sich Stärke in Zucker, die Kartoffeln schmecken dann süßlich. Sortiere angefaulte oder verletzte Knollen regelmäßig aus und verbrauche Frühkartoffeln innerhalb weniger Wochen.

🤝 Gute Nachbarn

BohnenKohlMais

🚫 Schlechte Nachbarn

TomatenGurkenSonnenblumen

Typische Probleme

Häufige Fragen zu Kartoffeln

Wann pflanze ich Kartoffeln am besten?

Ab Ende März bis April, sobald der Boden nicht mehr gefroren und gut abgetrocknet ist. Späte Fröste können die ersten Triebe treffen, dann ziehst du Erde darüber oder deckst mit Vlies ab. Regionale Frosttermine schätzt der Frosttermin-Rechner ein.

Muss ich Kartoffeln vorkeimen?

Nötig ist es nicht, aber es bringt einen Vorsprung: Vorgekeimte Knollen laufen schneller auf und reifen früher, besonders bei Frühkartoffeln lohnt sich das. Lege sie dazu vier bis sechs Wochen vor dem Pflanzen hell und kühl bei 10 bis 15 °C aus.

Kann ich Kartoffeln im Kübel oder Sack anbauen?

Ja. Als Richtwert bietet ein Gefäß mit etwa 30 bis 40 Litern Platz für zwei bis drei Pflanzknollen. Wichtig sind Abzugslöcher, reichlich Wasser an warmen Tagen und das Nachfüllen von Erde, sobald das Kraut wächst, damit die Knollen im Dunkeln bleiben.

Meine Kartoffeln sind grün geworden – darf ich sie essen?

Grüne Stellen enthalten erhöht Solanin und werden großzügig weggeschnitten. Stark ergrünte oder bitter schmeckende Knollen solltest du entsorgen. Vorbeugen kannst du durch gründliches Häufeln im Beet und dunkle Lagerung.

Passende Ratgeber

Passende Werkzeuge

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